Der Aufmacher in verschiedenen Zeitungen bezog sich auf eine aktuelle Veröffentlichung der Boston Consulting Group für Deutschland. Die Berechnung der international agierenden Unternehmensberatung ergab, dass 5000 Personen in Deutschland mehr als ein Viertel der Finanzvermögen besitzt. „Aktienboom füllt die Taschen einer Minderheit – die jedoch in 2025 um fast ein Drittel gewachsen ist. Zur Verdeutlichung: dies sind etwa 0,00006 Prozent der ca. 83 Millionen Bewohner unseres Staates, die über mehr als 27% des Finanzvermögens verfügen. Dieser Gruppe gehören also über 2,9 Billionen € ( um diese Zahl einmal ausgeschrieben darzustellen: 2.900 000 000 000 ). Diese sogenannten Superreichen haben viele Lobbyist*innen in nahezu allen Teilen der Welt, natürlich auch in Deutschland. Wenn hier über gerechtere Besteuerung solcher Personengruppen diskutiert wird – ganz sachlich und leise – wird sofort in vielen Medien der ökonomische Untergang der Volkswirtschaft vorhergesagt. Letztlich geht es um eine diesen Namen verdienende Vermögenssteuer und eine gerechte Besteuerung der Erbschaften – eben auch der zum Teil gigantischen Unternehmensvermögen. Verschiedene Interessenverbände der Unternehmerschaft und des Mittelstandes (!) trommeln innerhalb und außerhalb der Parlamente mit freundlicher Unterstützung vieler Presseorgane – häufig ungeprüft. Obgleich auch das Bundesverfassungsgericht längst auf die Notwendigkeit gerechterer Besteuerung aufmerksam machte, hierzu sogar einen Auftrag an die Legislative ( vor allem Bundestag ) erteilte, scheinen die genannten Interessenvertreter*innen in der Lage zu sein, der Judikative, in diesem Fall dem Obersten Gericht zur Auslegung unserer Verfassung die Grenzen aufzuzeigen = faktische Macht des Kapitals über die Rechtsprechung.
Aber wie kann es gelingen, dass aus der Gesellschaft – also der übergroßen Mehrheit – keine laute Forderung nach einer gerechten Besteuerung zu hören ist? Hierzu müssen wir wohl auf die Einstellung vieler Menschen zu Steuern i.a. schauen. Offenbar gelang es über die Jahrzehnte, dem Thema „Besteuerung“ etwas Negatives und fast schon Illegales anzuhängen. Besonders beim Thema Erbschaftssteuer scheint es gelungen zu sein, die Mehrzahl der Immobilienbesitzer*innen mit der Angst zu infizieren, dass im Falle von gerechter Besteuerung auch ihre Immobilie besteuert wird, um damit den Erbfolger*innen also ihr Erbe zu vermasseln. Hierzu helfen auch keine sachlichen Informationen, da die organisierte Desinformation niemals ruht. Ähnlich geht es der Vermögenssteuer, die aktuell noch immer ausgesetzt ist, da Interessengruppen verhindern, eine dann auch vom Bundesverfassungsgericht als gerecht einzustufende Steuer ( wieder ) einzusetzen.
„Die Vermögensteuer wurde in Deutschland erstmals 1893 eingeführt und diente dazu, das Reinvermögen von Steuerpflichtigen zu besteuern. Bis 1996 betrug der Steuersatz für natürliche Personen 1 Prozent des Vermögens. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts 1995 wurde kritisiert, dass Immobilienvermögen nicht korrekt nach Marktwerten erfasst wurde, wodurch der Gleichheitsgrundsatz verletzt wurde. Eine Reform des Vermögensteuergesetzes wurde von der damaligen Bundesregierung (CDU/CSU und FDP) als zu kompliziert angesehen, sodass die Steuer 1997 offiziell ausgesetzt, aber nicht abgeschafft wurde.
Die Aussetzung der Vermögensteuer hat den deutschen Staatshaushalt erheblich belastet. Studien zeigen, dass Deutschland seit 1997 rund 380 Milliarden Euro an Einnahmen entgangen sind, was etwa 80 Prozent des Bundeshaushalts von 2024 entspricht.“ ( Zitiert aus DW – Juli 2024 )
Im Grunde ist damit fast schon alles gesagt, wären da nicht auch noch die Blaubraunen, sich Alternative nennenden, die eine Abschaffung der Vermögenssteuer als Ganzes beantragten. Das sind Leute, denen es zuletzt gelungen ist, sich als Schutzmacht der kleinen Leute darzustellen. Hierzu muss wohl nichts mehr erklärt werden.
Interessant sind auch die Ausführungen des in zweiter Generation als Abgeordneter der CDU in Hohenlohe Agierenden, der sich mit aller Kraft dafür einsetzt, dass Reiche und Superreiche möglichst nicht von Steuern behelligt werden, da sonst der Untergang des deutschen Mittelstandes ( natürlich ohne Definition, was dieser Begriff bezeichnen soll ) und damit des Wirtschaftsstandortes drohe. Zu welcher Kategorie er sich selbst zählt, spielt hier keine Rolle – reich oder schon superreich ( nach Definition von Boston Consulting beginnt die Kategorie „Superreich bei 100 Millionen Dollar - aktuell etwa 86 Mio. € ) . Wenn wir auf der anderen Seite wissen, dass die sogenannten unteren 50% der Bundesbürger*innen über keine 3% des Gesamtvermögens verfügen, dann wird leicht erkennbar, welche Menschen für gewisse Abgeordnete überhaupt keine Rolle spielen, es sei denn, sie wären Bürgergeldempfänger*innen, denn dann müssen sie unbedingt für ihren Status als Mittelempfänger des Staates streng beobachtet und entsprechend behandelt werden. In diesem Fall gilt es dann, die umfassende Strenge aller Sanktionierungsmöglichkeiten anzuwenden. Um wirklich abschreckend zu wirken, müssen diese „Bestrafungen“ noch wesentlich härter ausgestaltet werden. Sachlichkeit und aufrichtige Information gilt es zu vermeiden, käme doch zum Vorschein, dass eine erhebliche Zahl der häufig als faul Gescholtenen tatsächlich Alleinerziehende und ihre Kinder sind, außerdem Menschen in ohnehin prekären Lebenslagen. Wegen eines Promillebereiches – denn darum handelt es sich bei den vielleicht zurecht als „Drückeberger“ gescholtenen – wird eine tatsächlich erhebliche Anzahl von Menschen permanent öffentlich beschimpft. Vom Schlosse über dem Kocher herab betrachtet der einer christlichen Partei angehörende Abgeordnete den Niedergang der Gesellschaft, sollte eine gerechtere Steuerpolitik und den Fakten entsprechende Auseinandersetzung mit den unterprivilegierten Personengruppen durchgesetzt werden. Der Fairness halber soll hier aber auch darauf hingewiesen werden, dass dieser Abgeordnete und Multimillionär mit Adelstitel nicht die einzige öffentlich bekannte Person ist, die sich mehr um die Hetze gegen Unterprivilegierte kümmert als um tatsächlich konstruktive Veränderungen – so eben zum Beispiel bei der Steuergesetzgebung. Fehlt auch hierzu – ähnlich der Steuergesetzgebung – einfach bessere Information?
Jedenfalls scheint angesichts der Finanzsituation in Bund, Ländern und Gemeinden der Klassenkampf von oben voll entbrannt zu sein.
TrumppPeter, Juni 2026
Hier noch eine kleine Erklärung aus Wikipedia:
Die Vermögensteuer ist im deutschen Steuerrecht eine Substanzsteuer auf das Reinvermögen eines Steuerpflichtigen. Sie wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben, nachdem das Bundesverfassungsgericht ein damals bestehendes Berechnungsverfahren für die Steuer als verfassungswidrig erklärte.
Steuern wie die Grundsteuer oder Kraftfahrzeugsteuer, die nicht das Gesamtvermögen treffen, sondern nur einzelne Vermögensteile, werden in Abgrenzung hierzu als „vermögensbezogene Steuern“ bezeichnet.