Offenbar liegt ganz Deutschland am Boden, so sind viele Äußerungen in unterschiedlichen Medien zu verstehen. Natürlich gibt es auch sehr viele Aufgaben zu lösen, das steht außer Frage. Allerdings handelt es sich bei den wirklich zentralen Herausforderungen um Aufgaben, für die sich möglichst große Teile der Bevölkerung ebenso bewegen müssen wie "die Politik". Wir hätten die Chance zur Bewätligung verschiedenster Herausforderungen. Aber lesen Sie .......
Gelähmt von den Wahlresultaten und einer abdriftenden Bevölkerung?
Verständlich wäre hier in deutliches „JA“, denn erstmals seit vielen Jahrzehnten bringt diskutieren und argumentieren nichts mehr. Das ist leider tatsächlich weitgehend so und entspricht auch der Entwicklung durch Online-Plattformen und Social Media, wo es um schnelles und manipulierendes Ausagieren ( ohne wirkliche Anstrengung ) geht.
Die Gewohnheiten des Online-Handels werden auf Politik übertragen – dummerweise wird diese Haltung durch Formulierungen wie „die Regierung muss respektive wird liefern“ und ähnliche Fehlformulierungen befeuert. Politik ist kein eben mal schnell zu erledigendes Geschäft, das per Rücksendeauftrag dann gelöscht werden kann.
Ernstzunehmende Politiker*innen wissen dies, haben aber noch keine adäquate Antwort gefunden. Dies dürfte auch weiterhin nicht leicht fallen, zumal eine zum Teil desorientierte Presse solche Fehleinschätzungen selbst vorantreibt.
Überdies wird von anderen gutgläubigen Menschen immer wieder gefordert, dass die traditionellen Parteien auf den unterschiedlichen Plattformen „gegenhalten“ müssten. Nun, wer sich damit befasst, muss bald erkennen, dass das Absetzen einer Falschinfo, einer Fake-Nachricht nur Sekunden in Anspruch nimmt, um dann vor allem ähnlich Gesinnte massenhaft zu erreichen. Viel schwieriger und vor allem aufwändiger ist die Richtigstellung, da hier Fakten zu beschreiben sind, die nicht in ein emotionales Kürzel zu verpacken sind. Also: der Zeitaufwand ist viel größer und die Darstellung wesentlich komplexer. Die Rechtsextremisten verbreiten nicht umsonst vor allem Fake-News, sind sie sich der Bedingungen doch sehr bewusst, um dieses böse Spiel mit kräftiger Unterstützung aus Russland, China und rechtsgewirkten Plattformbetreibern immer intensiver zu „spielen“.
Sollte sich auf Ebene der Europäischen Union keine echte Regulierung und entsprechende Strafverfolgung für folgenreiche Fakes und Verunglimpfungen von Personen realisieren lassen, dann dürfte es tatsächlich düster aussehen um die vorhandenen Demokratien. Aus diesem Grund müssen wir uns diesem Thema viel stärker zuwenden.
Ob sich ein „Gegenhalten“ finanzieren und realisieren ließe, das bleibt erst einmal unbeantwortet. Was wir allerdings machen können, aber in unserer Skepsis nicht beginnen, ist die tägliche und immer wiederkehrende Betonung eines an der Realität ausgerichteten „Ja klar, wir schaffen das!“
Ein erheblicher Teil von uns lebt in sehr „wohltemperierten“ persönlichen Verhältnissen. Viele erkennen die Notwendigkeiten einer gründlichen und zügigen Auseinandersetzung mit den wesentlichen Zukunftsfragen. Herausforderungen sind der Klimawandel und die nötige Transformation etlicher Wirtschaftsbereiche in eine zukunftstaugliche Produktion und Organisation via Logistik und Verkehr. Einkommens-, aber vor allem Vermögensverteilung, Gesundheitswesen und -vorsorge, problematischer Personalmangel in vielen sozialen Bereichen und noch manches mehr sind weitere Aufgabenfelder. Vergessen sollten wir nicht die Lieferketten aus vielen Teilen der Erde, die besser kontrolliert bzw. eingerichtet werden müssen.
Allerdings fühlen wir uns in einer argumentativen Defensive, die aber der Realität nur entspricht, weil wir uns solchen lösungsfernen Beschreibungen unterwerfen, nicht deutlich genug den neoliberalen Versprechungen widersprechen.
Jedenfalls gibt es für uns alle vielfache Gründe, dieser Lähmung entgegenzutreten.
Wir sollten uns nicht wundern, weshalb so viele junge Menschen gefährlichen Rechtsextremisten ihre Stimme geben, was bei dem Infostand via Social Media auch kaum verwunderlich sein sollte, sondern selbst an andere und selbstverständlich bessere Wege in und für die Zukunft glauben und diese lautstark und nachhaltig vertreten. Allerdings müssen wir selbst auch Veränderungen, die wir einfordern, vorleben.
Hier nun der Aufruf zu neuen Ideen und Beschreibungen von Handlungsmöglichkeiten:
Setzen wir dem System der Verleugnung wesentlicher Aspekte der realen Entwicklungen und Handlungsmöglichkeiten ein Ende. Leider hat die Pandemie die Möglichkeiten einer Leugnung fundamentaler wissenschaftlicher Erkenntnisse aufgezeigt. Durchaus zu intelligentem Handeln befähigte Menschen suchten sich „alternative Fakten“, die ihrem Weltbild entsprechen, die keine Veränderung des individuellen wie des gesellschaftlichen Verhaltens einforderten, und die letztlich zur nachhaltigen Spaltung der Gesellschaft beitrugen. Viel schlimmer allerdings, dass sich Rechtsextremisten relativ leicht dieser Personen annehmen konnten, da sie mit ihren Erzählungen andocken konnten. Wir alle haben so manche illustre Verlautbarung hören müssen.
So, diesem realen Geschehen können wir nicht entgehen, allerdings müssen wir uns davon auch nicht in Gefangenschaft nehmen lassen. Wir kennen und können viel mehr.
Solange die Mehrheit in dieser Gesellschaft noch nicht abgedriftet ist, sollten wir – völlig ernsthaft – unsere vielen Möglichkeiten und Chancen aufzeigen, ohne den Preis dafür, nämlich dauerhafte Anstrengung und Kosten, zu verschweigen. Nicht alle Teile der Gesellschaft können sich wirklich finanziell durch Verlust von Einkommen daran beteiligen. Aber: eine Mehrzahl kann dies in unterschiedlicher Stärke. Dabei kommen wir zu einem uralten sozialdemokratischen Thema: der Verteilungsgerechtigkeit. Auf diesem Feld müssen wir wieder viel mehr ackern – trotz der gegenteiligen Intentionen der FDP und großer Teile der Unionsparteien.
Ziele glaubhaft formulieren, um dann alle möglichen Schritte hin zur Erreichung zu gehen auch gegen Widerstände der vielzähligen Lobby der Reichen. Leistungsträger sind Menschen, die sich auch an diesem Wandel beteiligen, die wissen, dass ein weitgehend ungebremstes Vermehren privater Vermögen gesellschaftlich fatale Folgen mit sich bringen wird. Erben und Vermögen vergrößern ist grundsätzlich zulässig, aber halt nicht ungebremst und zu Lasten der Gesellschaft. Deshalb beginnen wir am besten mit der Beschreibung der Chancen, ohne die dafür nötigen Bedingungen zu vergessen.
Auf geht´s!
TrumPeter im Okt2024